November 7, 2009

My Ultimate Birthday

Heute ist tatsächlich schon mein Geburtstag! Wie die Zeit vergeht, wenn man sich in einem fremden Land zurechtfinden muss und jeden Tag etwas Neues lernt! Aber ich will mal nicht wie ein alter Opa klingen! Zuerst einmal wollte ich mit meiner Freundin telefonieren um mir ein paar süße Glückwünsche abzuholen. Gesagt, getan. Sie meinte, sie hätte mir ein Paket geschickt und hoffe, dass es rechtzeitig ankommen würde! Nun ich muss sagen, dass ich mich heute sehr darüber freuen würde!

Allerdings würde mir die Post heute auch einen unglaublichen Gefallen tun, wenn sie mir endlich meine Kreditkartennummer überbringen könnte. Denn diese ist, nachdem ich meine Kreditkarte in einer ATM Maschine „geschreddert“ hatte und eine neue beantragt habe, nun mehr als fällig (eigentlich bereits 1 Tag überfällig). Und es wäre doch super, wenn ich mir heute mein Geburtstagsgeschenk kaufen könnte, denn ich habe mich irgendwie in den IPOD Touch verguckt und es gibt doch nix schöneres, als sich auch mal selbst ein Geschenk zu machen ;).

Aber es steht und fällt heute nicht alles mit der Post. Denn darüber hinaus hat mich, oder besser uns (Demeji und mich) mein „Gastvater“ zum Frühstück eingeladen und am Abend wollte ich mit Demeji einen coolen Film im Kino schauen oder einmal bei den Allreds – die Nachbarn, die auch ein paar Austauschstudenten Unterkunft gewähren – aufschlagen.

Also machten wir uns beide erst mal „ausgehfein“ um uns von Doug zum Breakfast Diner schoffieren zu lassen. Allerdings waren wir schneller fertig als er und daher mussten wir noch einen Moment warten. Diese Zeit nutzte Demeji, um ein Telefongespräch mit seiner Frau nach New York zu führen. Während des Gespräches – ich saß im Nachbarzimmer – hörte ich es von oben nur herunter schalmeien: „Hello, I’m ready“. Allerdings antwortete ich nicht, da ich Demeji nicht unterbrechen wollte und gab ihm stattdessen nur ein Signal zum Start. Er beendete das Gespräch – ok, da er mit einer Frau sprach war er erst nach 5 – 10 Minuten fertig.

Und so gingen wir dann nach oben, doch kein Mensch war mehr da. Wir durchsuchten das gesamte Haus, doch Doug war weg! Wir beschlossen die Situation relaxt zu sehen und uns noch etwas zu beschäftigen. Doug würde sicher demnächst wieder auftauchen.

Doch eine halbe Stunde später wurde ich dann doch etwas hungrig und damit unruhig (jaja, so bin ich eben ;)) und beschloss noch mal nach ihm zu suchen. Doch er war nirgends zu finden und selbst auf dem Handy nicht erreichbar. Langsam begann ich mir Sorgen zu machen doch ich beschloss, noch ein wenig Geduld zu beweisen.

Doch als er nach 1,5 Stunden immer noch nicht aufgetaucht war und Demeji sich bereits etwas zum Frühstück einverleibt hatte, aß ich etwas enttäuscht ebenfalls etwas. Und zwar das Sandwich vom Vortag, das ich mir für die Arbeit geschmiert und dann aber nicht gegessen hatte. Wie ernüchternd, ich hatte mich da wirklich darauf gefreut.

Nach dem Essen kam endlich die Post, auf die ich schon sehnsüchtig gewartet hatte. Doch zu meiner Enttäuschung war weder ein Paket, noch ein Brief meiner Bank für mich dabei. Nicht eine einzige Postkarte war in diesem Haufen von Briefen für mich dabei! That sux! Das ist wahrscheinlich der erste Geburtstag in meinem Leben, an dem ich nicht ein einziges Geschenk bekomme (Allerdings ist das eigentlich nicht ganz richtig, denn ich habe ein Buch von meinen Eltern bekommen, aber das kam einen Tag zu früh an. Somit wollen wir es bei der ursprünglichen Aussage belassen, nicht zuletzt um die Quintessenz nicht zu verwässern.).

Aber da sieht man mal, wie oberflächlich man eigentlich ist! Also nehme ich dies nicht als enttäuschende Erfahrung, sondern als wertvolle Lektion. Vielleicht tut es mir gut, mal ein Geburtstag zu erleben, der nicht damit beginnt Geschenke auszupacken oder Freunde und Familie um sich zu haben. Man weiß sicherlich am Ende alles deutlich mehr zu schätzen!

Nachdem ich mir das lange genug eingeredet hatte, um selbst daran zu glauben beschloss ich meine Eltern, wie vereinbart anzurufen. Die waren gerade dabei mit der Gesamten Familie den Geburtstag meiner Uroma (ist einen tag vor mir 94 geworden!) und den Meinigen zu feiern.

Schön, wenn alle an einem Tisch sitzen, um zum Anlass meines Geburtstages Speis und Trank zu genießen. Blöd nur, wenn gerade Mittagszeit ist und man die positive Stimmung seiner angeheiterten Verwandten nicht immer teilen kann. Und noch blöder, wenn man eigentlich am liebsten bei ihnen wäre aber in Wahrheit nur ein ‚Connectivity Problem’ davon entfernt ist, von ihnen für den Rest des Tages getrennt zu sein. Und die Hälfte der Gespräche bekommt man nicht mit, weil sie im allgemeinen Datenstrom des Transatlantik Verkehrs unter gehen – oder so was.

Ich beschloss anschließend doch zur Mall zu fahren, auch wenn ich mir meinen IPOD nicht kaufen kann. Vielleicht würde es mich ja aufmuntern, mir irgendeine Kleinigkeit zu gönnen. Auf dem Weg nach Draußen lief mir Doug über den Weg und wir stellten und im gleichen Augenblick die gleiche Frage: Wo warst du?

Er hatte zu uns runter gerufen und dachte, auf Grund der ausbleibenden Antwort, dass keiner da unten verblieben wäre. In Wahrheit war aber Demeji noch am Telefonieren. Also durchsuchte Doug das gesamte Haus nach uns und fuhr danach Runden um den Block, weil er dachte, wir hätten uns schon auf den Weg in Richtung Diner gemacht. Unterm Strich klassischer Fall von Missverständnis. Wie auch immer, wir verabredeten morgen Frühstück essen zu gehen.

Auf dem Weg zur Mall merkte ich, dass heute unglaublich gutes Wetter ist. Umso verstörender ist es, dass die Leute anscheinend das gute Wetter dazu nutzen, einen Einkaufsbummel in der Mall of Amerika zu machen. Da es sich dabei aber um ein überdachtes Areal handelt, sollte man sich das eigentlich eher für schlechteres Wetter aufheben. Aber egal, ich machte ja genau denselben Fehler!

In der Mall angekommen musste ich erst mal Geld auftreiben. Dazu musste ich glücklicher Weise nicht betteln gehen sondern konnte meinen amerikanischen Bank Account nutzen, auf dem ich ca. noch $200 (mein erstes Gehalt der Universität) als Reserve hatte. Doch leider hatte meine Bank nicht eine lausige ATM Maschine in der gesamten Mall. Deshalb durfte ich gleich erst einmal $5 Nutzungsgebühr dafür blechen, dass ich den Automat einer fremden Bank genutzt habe, die dann sinnloser Weise irgendwo im virtuellen Geldtransfer diverser Banken verloren gehen. Aber davon wollte ich mir dann nicht den Tag verderben lassen.

So ging ich dann von Geschäft zu Geschäft, doch trotz der Tatsache, dass ich ein paar coole Klamotten gesehen hatte, wollte keine so richtige Shoppinglaune aufkommen. Ob das jetzt daran lag, dass ich ein Kerl bin oder daran, dass das das einzige Geld ist, was mir hier noch als Reserve zur Verfügung steht, sei mal dahin gestellt. Fakt ist, dass ich mit leeren Händen nach Hause zurückgekehrt bin. Aber egal, denn es wurde ja auch Zeit fürs Kino.

Zumindest dachte ich das, bis ich zu Hause angekommen bin. Denn dort saß Demeji über seinen Heftern und arbeitete fleißig. Ich fragte ihn, ob er noch arbeiten müsse und er antwortete, dass das Warten auf Doug am Morgen ihn in seinem Zeitplan dermaßen zurück geschmissen hätte, dass er immer noch nicht fertig mit seiner Arbeit sei.

da ich es wichtig finde, zu erst seine Arbeit zu erledigen und ich sicher weiß, dass Demeji das genauso sieht, ließ ich ihn weiter studieren und cancelte auch dieses „event“. Ich versuchte noch einen kurzen Rettungsversuch, indem ich abends um acht noch einmal unsere Nachbarn, die Allreds, versuchte zu erreichen, doch keiner beantwortete meinen Anruf.

Und somit war es offziell: der Tag war im Arsch! Selbst für einen normalen Tag, wäre dieser unglaublich scheiße gelaufen, doch für einen Geburtstag war das total ‚for the garbage’. Ich kann mich z.B. nicht erinnern, wann ich das letzte Mal nicht auf meinen Geburtstag angestoßen habe (was sicherlich auch dem Alkohol geschuldet ist, den ich an den besagten Geburtstagen zu mir genommen habe^^). Und als wäre es heute nicht schon genug, checkte ich am Abend meine E-Mails und es stellte sich heraus, dass die Lufthansa meinen Flug auf dermaßen lächerliche Zeiten umgebucht hatte, dass ich bei denen gleich mal am Montag durchklingeln muss!

Aber während ich so durch das Netz surfte viel mir auch etwas anderes auf! Ich habe von unglaublich vielen Leuten Geburtstagsgrüße bekommen! Sei es über Studivz, Mail oder Forum. Eine Menge Freunde haben an mich gedacht! Ich bekam Glückwünsche von Leuten, zu denen ich ewig keinen Kontakt hatte und total nette Mails von Freunden, die ich heute nichts lieber als gesehen hätte. Meine Family, meine Freundin und meine Freunde haben heute alle an mich gedacht!

Und so kommt es, dass ich nach so einem Tag bei einem Glas Scotch sitze, diese Zeilen nieder schreibe und mir nebenbei Kill Bill reinzieh, also das langweiligste, was einem so zum Geburtstag einfällt … und trotzdem darüber grinsen kann, mit welcher Perfektion heute alles schief ging, was ich so geplant hatte.

Thanks guys, you’ve safed the day!

Cya tomorrow!

October 9, 2009

My Second Week

Der Anfang der Woche begann auf gut deutsch gesagt reudig. Danke der grandiosen Pizza, die ich mir am Sonntag zwischen die Beißer geschoben habe, durfte ich nett formuliert in hochfrequenter Regelmäßigkeit „the bathroom“ aufsuchen. Trotzdem habe ich mich dadurch nicht davon abbringen lassen, mich auf Arbeit blicken zu lassen. Nicht zuletzt weil ich endlich mal ein bisschen was für diese schaffen wollte. Doch in leicht schmerzhaft gebückter Haltung arbeitete es sich nicht ganz so gut! Deshalb war ich dann leider nicht so kontinuierlich anwesend (und habe so viel geschafft) wie ich eigentlich wollte.

Doch an einen wichtigen Punkt konnte ich zu Begin dieser Woche einen Haken machen! Ich habe die ganzen Datenschutz und Sicherheitsbelehrungen gelesen. Jetzt könnte man meinen, dass das kein großer Akt sei. Doch wer dieser Ansicht ist, der irrt gewaltig - leider!

Die Belehrungen bestehen nämlich aus Onlinekursen, die aus Unmengen von Seiten zusammengesetzt sind, die sich inhaltlich eigentlich kontinuierlich wiederholen. Nicht, dass das zum lernen schlecht ist, doch wird das auf Dauer echt nervig, etwa vergleichbar mit Fernsehwerbung. Um die dabei aufkommende lange Weile zu bekämpfen sind in diesen Lehrgängen dann noch lustige kleine Frage – Antwort Spielchen eingebaut, an denen man unangenehmer Weise nicht, ohne sie alle richtig zu beantworten, vorbei kommt. Und das macht sich besonders gut, wenn man zu allem Überfluss auch noch einen Lehrgang zum Thema „Vorsichtsmaßnahmen bei der Extraktion von und dem Umgang mit menschlichen biologischen Proben“ in einer mehr oder weniger, fremden Sprache absolvieren darf (und jetzt fragt mich bitte nicht, ‚why the hell’ ich so einen Mist lesen muss – ich hab ja eigentlich gar nichts mit der Extraktion menschlicher Proben zu tun….meistens zumindest :P).

Doch die Krönung kommt erst noch. Denn nicht nur, dass ich mich durch viel, unsinniges und sich ständig wiederholendes Zeug arbeiten muss. Es besteht zu außerdem auch noch zu einem Großteil aus dermaßen offensichtlichen Dingen, dass es fast lächerlich ist, diese Inhalte in einem Stichpunkt zu formulieren! Aber das ist typisch Amerika…eben ein Land, in dem Leute mit Herzproblemen oder Schwangerschaft durch eine Große Tafel an einer Achterbahn tatsächlich noch von der Dummheit abgehalten werden müssen, diese wirklich zu besteigen.

Nachdem ich mir dann zu guter Letzt nach drei Tagen auch noch die Richtlinien zum Umgang mit radioaktiven Materialien zu Gemüte geführt hatte, stellte sich dann doch ein positives Ergebnis dieser Plackerei ein. Ich bekam nämlich endlich die Schlüssel zu unserem Labor und die Zugangsberechtigung zum Gebäude.

Doch zum Glück war das nicht das Einzige, was ich über die Woche auf Arbeit zu Stande bekommen habe. Ich konnte mich endlich mal ein wenig in die Eigentliche Problematik meiner Aufgabe einarbeiten. Und auch wenn ich immer wieder von irgendwelchen organisatorischen Dingen unterbrochen wurde, ich denke ich bin diesbezüglich ein ganzes Stück weiter gekommen.

Außerdem habe ich am Freitag einen, für mich neuen, Mitarbeiter kennen gelernt. Sein Name ist Kondon und er wird von meinem Professor immer als „the indian guy“ bezeichnet. Da er aber an diesem Tag nicht da war (wie anscheinend jeden Freitag – was für eine entspannte Woche) und ich sowieso viel zu spät kam, haben Kondon und ich den Rest des Tages damit verbracht, uns über kulturelle Unterschiede zwischen Deutschland, USA und Indien zu unterhalten.

Er war am Anfang auf Grund seines indischen Dialektes schwer zu verstehen. Doch wenn man sich einmal rein gehört hat, dass die Sätze grundsätzlich kurz und schnell gesprochen werden und die Pausen dazwischen eine gefühlte Ewigkeit dauern, kann man den Inhalt durchaus begreifen. Unterm Strich auf jeden Fall ein netter Kerl, wenn auch vielleicht ein wenig geldorientiert.

Er hat mir nämlich erklärt, dass er sich demnächst darum bemühen muss, entweder sein Visum zu verlängern oder woanders hin zu gehen, denn sein Studium hier ist so gut wie beendet. Doch scheint das wichtigste Auswahlkriterium das liebe Geld zu sein. So fragte er mich weder nach beruflichen Möglichkeiten oder Lebensqualität in Europa. Nein, das vorrangige Interesse galt dem Einstiegsgehalt, was offensichtlich die Auswahl des Landes signifikant entscheiden wird.

Aber die Freizeit scheint bei dem Jungen auch nicht zu kurz zu kommen. Er erzählte mir, dass er öfter Clubs besucht und mich auch das nächste Mal mitnehmen will – na da bin ich ja mal gespannt! Denn Clubs habe ich hier noch nicht viele gesehen.

Allerdings sind hier, wie bereits erwähnt, Sportveranstaltungen ein großer Publikumsmagnet! So war am Montag während meines Heimwegs um den Methrodome (das Football - Stadion der Minnesota Vikings) richtig was los. Denn offensichtlich fand heute ein Spiel statt. Allerdings nicht gegen irgendeinen Kontrahenten…

Denn an diesem Tag war wahrscheinlich eines der wichtigsten Spiele der Saison gegen die Green Bay Packers. Diesen Verein kann man hier als „Lokalgegner“ Bezeichnen, auch wenn deren Heimatstadt ca. 280 Meilen (ca. 450 Kilometer) entfernt ist. In Deutschland wäre das eine Reise quer durch das halbe Land, aber in den USA sind die Maßstäbe eben etwas anders. Nicht zuletzt, weil sich zwischen diesen beiden Städten neben ein paar Farmen und dem, was man in Deutschland vorsichtig als „Kuhklitschen“ bezeichnen würde, mehr oder weniger gar nichts befindet.

Vikings gegen die Packers

Doch nicht nur das erhitzt die Gemüter der Fans. Auch, dass Favre, der 40 Jahre alte Quarterback (wahrscheinlich einer der wichtigsten Spieler im Feld) der Packers, sich nach einer Schaffenspause wieder zurück gemeldet hat – allerdings ironischerweise bei dem „Hassgegner“ Minnesota Vikings. Für meine Begriffe hat der Mann daher einen Sinn für Humor! Und der Verlauf der Vikings Saison gibt ihm ebenfalls Recht mit seiner Entscheidung, denn der Verein war wahrscheinlich nie so gut, wie jetzt…

Wie jedes „ordentliche“ Sportevent rund um den Globus bedeutet auch dieses, Ausnahmezustand weiträumig rund um das Stadion. Jubelnde Menschenmassen in Lila – Gelb (die Teamfarben der Vikings) strömten zum Stadion und blockierten alles, was sich sonst noch rund um das Stadion zu regen versuchte. Kein Bus oder anderer Straßenverkehr kam dank fürsorglicher Metro – Transit – Police – Officers auch nur in die Nähe des Methrodomes und der Verkehr der ‚lightrail aka tram’ kam durch das Gewühle mehr oder weniger völlig zum erliegen.

So war auch ich Opfer dieses Ereignisses und musste wohl oder eher übel (mir ging es ja nicht so gut) etwas Zeit totschlagen, bis der alltägliche Verkehr seine „Football – Schockstarre“ wieder hinter sich gebracht hat.

So ging ich erst eine Runde über den Parkplatz, wo man die Spezies „Vikings Fan“ (leicht zu erkennen an den erwähnten markanten Farben der Fankleidung, Gesichtsbemalung und Kopfbedeckung sowie an den, an Vikinger erinnernden Kampfausrüstung, wie Schwerter, Helm oder Schutzschild) beim so genannten ‚Tailgating’ beobachten konnte. Hinter dieser Bezeichnung verbirgt sich das Ritual vor einem sportlichen Event, bei dem man einen BBQ Grill in einem Zelt hinter seinem Van aufstellt und sich anschließend während des Bratens mit einer (hoffentlich geteilten) 1 Galonen Plastikflasche Vodka (oder mit einem anderen hochprozentigen Getränk) vollaufen lässt.

Das sieht man aber auch nur, wenn man sich langsam anpirscht und sich ganz unauffällig verhält. Schreckt man allerdings die Leittiere leichtfertig auf, artet das ganze in animalischem Kampfgebrüll aus. Und führt man dann noch eine Kamera mit sich (wie das bei mir der Fall war) ist das Resultat umso verheerender bis unabsehbar… Einer fragte mich sogar, ob ich von der Presse sei und ob ich Interesse daran hätte, dass er und seine Freunde in ihren, fast lächerlich anmutenden Fankleidung für mich posierten. Dummerweise fiel, etwas überrumpelt von der Frage und daher nicht ganz Herr meiner Sinne, meine Antwort negativ aus. Aber eigentlich hätte ich mir diese Gelegenheit nicht entgehen lassen dürfen ;).

Nichtsdestotrotz sprang mir auch so an diesem Tag einiges vor die Linse, was einen Schnappschuss wert war. Denn auf dem Vorplatz des Methrodomes war eine Art Jahrmarkt aufgebaut, auf dem u.a. eine ganze Menge illustrer Gestalten unterwegs waren. Ich denke da z.B. an eine Gruppe, die sich angemalt und mit Favre Lettern ausgestattet hat oder an das Maskottchen der Vikings, das versuchte, die Stimmung des Pulks weiter anzuheizen. Man sah sogar erwachsene Männer, die sich an einem Stand die Gesichter von Leuten bemalen ließen, die sonst eigentlich nur kleine Kinder im Vorschulalter vor sich sitzen sahen.

Lustig war auch, dass auf diesem Platz so genannte „Bratwürste“ verkauft wurden, wodurch ich mir gleich etwas heimischer vorkam ;). Außerdem gab es eine typisch amerikanische Spezialität, die sich ‚Corn Dog’ nannte. Diese bestand aus einer Wurst in Maisteig, frittiert in heißem Öl – typisch amerikanisch eben. Ich war allerdings nicht mal annähernd in der Lage, auch nur eines dieser Snacks zu probieren. Stattdessen ging es für mich dann so schnell wie möglich nach Hause, sobald sich die Menge etwas gelichtet hat. Dort hab ich mir auch das Spiel angeschaut bzw. hab erst einmal versucht, das Spiel zu verstehen, was nicht immer so einfach war. Unterm strich haben die Vikings zu meiner Zufriedenheit gewonnen. Doch das war nicht das einzige Sportevent, was in dieser Woche stattfand.

Denn am Dienstag fand das Spiel der Twins (Minnesota Baseball Team) gegen die Tigers (Detroit) statt. Allerdings war das Treiben um das Stadion (beeindruckender Weise haben sie es innerhalb eines Tages zu einem Baseball Stadion umgebaut) dieses mal deutlich gesitteter. Überhaupt war das Stadion schlechter besucht und während ich mir ebenfalls dieses Spiel im TV angeschaut hatte, fand ich auch heraus warum. Der verlauf an sich war deutlich ruhiger und strategischer – manch einer würde sogar so weit gehen, es als langweilig zu bezeichnen, wobei ich glatt mitgehen würde. Vielleicht liegt das aber auch nur daran, dass ich trotz intensiver Wikipedia – Studie, dieses Spiel nicht richtig durchdrungen hatte.

Am Mittwoch ging es mir dann endlich wieder so gut, dass ich auch mal einen Rundgang durch die Downtown wagen konnte (wollte endlich mal das gute Wetter ausnutzen). Und amerikanische Städte sind diesbezüglich wirklich beeindruckend. Denn im Stadtkern befinden sich gewöhnlicher Weise immer so genannte ‚Skyscraper’ – „Wolkenkratzer“, die mir aus deutschen Städten, in denen ich mich meistens rum treibe, einfach nicht geläufig sind. Auch wenn die Bezeichnung „Wolkenkratzer“ für die Gebäude in Minneapolis etwas hoch gegriffen ist, so waren sie doch nett anzusehen.

Minneapolis

In den unteren Etagen dieser Häuser befinden sich kleine ‚malls’ mit Geschäften, Snackbars und Restaurants, die z. B. die Arbeiter dieser Gebäude in der Mittagspause besuchen können. Das besondere in Minneapolis und St. Paul ist, dass man auf Grund der Winterkälte alle Gebäude auf der zweiten Etage mit ‚Skyways’ miteinander verbunden hat. Das führte dazu, dass die Innenstadt auch für Besucher und Shoppingwillige (die gewöhnlich eine der ‚malls’ in den ‚suburbs’ besuchen) interessant geworden ist – zu Recht, wie ich finde. Es macht spaß von Haus zu Haus zu gehen und sich all die kleinen Geschäfte anzuschauen!

Doch auch auf der Straße ist es interessant, denn dort findet über den Sommer und Herbst der ‚Farmer’s Market’ statt. Bedeutet, dass dort frische und selbst angebaute Gemüsespezialitäten der Region und Saison angeboten werden. Dazu gehört in erster Linie natürlich Corn (Mais), aber auch Knoblauch, Challapenios oder auch gewöhnlicher Rosenkohl – Alles in Allem der völlige Gegensatz zu dem, was man sich unter dem ungesunden amerikanischen ‚junk food’ so vorstellt. Für mich sah besonders der Knoblauch so verlockend und frisch aus, dass ich nicht daran vorbei gehen konnte.

Diesen habe ich dann auch gleich mit ein paar leckeren Nudeln kombiniert und verköstigt. Das Problem ist allerdings immer: kocht man einmal für sich allein, reicht das meistens (und besonders hier auf Grund der Größe der angebotenen Verpackungen) für mehrere Tage. Doch am Freitag mussten die Reste dieser Mahlzeit im Kühlschrank ohne mich zurecht kommen…nicht zuletzt, weil einem das Zeug nach drei Tagen einfach zum Hals raus hängt.

Doch der eigentliche Grund war, dass ich an diesem Abend gar nicht zu Hause war. Ich bin nämlich mit Demiji zur ‚homecoming parade’ der University of Minnesota gegangen. Diese war ein Festzug durch die ‚University Avenue’, vom Campus vorbei an allen Verbindungshäusern (die nebenbei tatsächlich so witzige/sinnlose Namen wie ΔΓΣ tragen) bis hin zum neuen ‚TCF Bank Stadium’ und findet zu Ehren der ehemaligen Universitätsmitglieder statt. Ich fand, es hatte etwas von einem Karneval – Umzug, allerdings mit dem Unterschied, dass die ‚giveaways’ hier tatsächlich irgendwie zu gebrauchen waren. So habe ich ein T-Shirt der TCF Bank und einen „Kaffeebecher“ von Starbucks bekommen. Zu dem Kaffeebecher sei erwähnt, dass hier quasi jeder mit so einem Becher unter dem Arm durch die Gegend rennt. Fast so, als würde eine zu lange Unterbrechung des Kaffee Konsums zu ernsthaften medizinischen Konsequenzen führen. Es handelt sich dabei eigentlich auch weniger um einen Becher, als um einen verschließbaren ‚Cup’, mit dem sich der Kaffee logischer Weise deutlich komfortabler transportieren lässt.

Homecoming Parade

Der Grund meiner Ausschweife ist eigentlich nur der, zu erklären, dass es sich bei diesem „Objekt“, was in jedem guten deutschen Haushalt direkt in die Mülltonne wandern oder irgendwo verstauben würde, hier tatsächlich um einen mehr oder weniger sinnvollen aber gebräuchlichen Gegenstand handelt.

Allerdings haben sie aber bei dem Unzug mit ‚free candys’ gespart, was eigentlich unüblich für Amerikaner, aber gut für uns ist. Denn wir hatten uns dazu entschieden, nach der Veranstaltung eines der Restaurants in Dinkytown, ein Kneipenviertel nahe des Campuses, aufzusuchen. Unsere Wahl fiel auf einen Chinesen. Und ich muss echt sagen, dass ich meiner Meinung nach noch nie so gut und auch günstig chinesisch gegessen habe!

Gestärkt mit ‚chickencurry’, machten wir uns auf den Rückweg. Ich für meinen Teil wollte eigentlich noch ein bisschen der Freiluft – Afterparty beiwohnen. Doch aufgrund der Kälte, bzw. Demijis mangelnde Ausstattung dagegen, was ihm als Nigerianer gerade noch verziehen sei ;), mussten wir dann doch die direkte Heimreise antreten und den Abend im Warmen, vor dem TV ausklingen lassen.

Cya tomorrow!

October 4, 2009

My Sunday

Cindy und Doug haben sich schon zeitig aus dem Haus gemacht, da es für sie heute nach Florida ging. Aber ich hatte andere Pläne, ich wollte erst mal so richtig ausschlafen. Zwar hat mit Cindy nahe gelegt, mich heute zeitig aus dem Bett zu machen, da heut der Twin Cities Marathon ist, an dem tausende von Läufern teilnehmen und der direkt vor unserem Haus verläuft. Doch war mir das nach dieser Mörderwoche ehrlich gesagt scheißegal!!!

Als ich meinen Körper dann doch mal über die Bettkante hiefen konnte, schleppte ich mich zum Fenster um zu sehen, was da draußen los war. Und man doch sagen, dass da einige Leute unterwegs waren. Doch es war lang nicht das Spektakel, was Cindy angekündigt hatte. So entschied ich mich dazu noch ein wenig die Stille zu genießen. Denn ich bin heute allein in diesem großen Haus, weil Demiji auch noch in NY ist.

Nach dem Frühstück mischte ich mich dann doch mal unter die Zuschauer. Es ist schon witzig, die USA ist wahrscheinlich die Nation mit den meisten Sportinteressierten, den meisten populären Sportarten und den meisten Sportzuschauern. Doch im Kontrast dazu ist sie mit Sicherheit auch einer der, mit der unsportlichsten Bevölkerung. Wobei man da als deutscher nicht den Mund zu voll nehmen sollte. Zumindest sieht man hier am Abend so einige Jogger ihre Runden ziehen, was mir in meiner lieben Heimat durchaus als mangelhaft oder unzureichend bezeichnen kann.

Ich traf aber unter den Zuschauern jemanden, der eher zu der unsportlichen Hälfte meiner Gastnation gehörte: Eugene. Diesen Mann habe ich eigentlich angesprochen, um eine Wohnung in den USA zu finden. Doch war sein haus voll, weshalb er mich zwei Häuser weiter an die Andersons vermittelte. Da wir aber den Kontakt aufrechterhalten haben brannte er letztendlich darauf, mich nach meiner Ankunft kennen zu lernen.

Er lud mich quasi sofort nach der Begrüßung und einem kurzen Smalltalk zu sich in sein Haus ein. Und da das Anschauen der Marathonläufer nicht ganz so spannend war, machten wir uns auch gleich auf dem Weg dort hin. Allerdings dauerte es eine Weile den Weg trotz der kurzen Distanz zurückzulegen, da Eugene bereits mit 70 seine 4. Bypass OP hinter sich hat. Und der Hund, den er mit sich führte war keines Wegs sportlicher als er…

Auf dem Weg merkten wir auf Anhieb, dass wir uns gut verstanden und eine Menge zu bereden hatten. Er schien viel in der Welt rum gekommen zu sein und konnte zu jeder Ecke der Erde eine kleine Anekdote erzählen. Z.B. kamen wir auf China zu sprechen, als wir über Politik diskutierten (bot sich gerade an, weil ich aus Ostdeutschland komme, was ihn sehr zu interessieren schien) und er gab gleich diesbezüglich einen zum Besten:

Es muss wohl Anfang der 70er gewesen sein, als der Außenminister der Nixonregierung zu Mao Zedong gekommen ist und sich über die Missstände im land beschwert hat. Er meinte, dass es eine unhaltbare Situation sei, dass die Menschen nicht die Freiheit besaßen, das Land verlassen zu und zum Beispiel in die USA reisen zu können. Mao antwortete daraufhin trocken und ohne mit der Wimper zu zucken: „Das ist doch alles kein Problem! Wie viele Chinesen braucht ihr denn?“.

Da sich unser Gespräch bereits in den Nachmittag hinein zog, machte Eugene Kaffee in einer French Press, was ich durchaus begrüßte. Dazu gab es einen chinesischen Kuchen, den ich ehrlich gesagt nur noch widerlich fand! Allerdings würgte ich das trockene Zeug runter, da Eugene so stolz darauf war, es anbieten zu können. Von außen sah er eigentlich ganz gut aus, allerdings war innen drin eine Masse, die sich im Mund wie gestockter Tapetenkleister anfühlte und wie ein chinesisches Gesundheitsshampoo schmeckte. Diese Masse umhüllte zu allem Überfluss auch noch eine Art Nuss, die beim Daraufbeißen zu Staub zerfiel und alles was Flüssigkeit hieß in meinem Mund aufsaugte.

Nachdem ich mich von meinem Schock erholt hatte, zeigte mir Eugene sein Haus. Es war ebenfalls, wie das der Andersons, sehr groß, doch war es hier deutlich unordentlicher. Und das ist mir aufgefallen … jemandem, der eigentlich nicht mal sieht, wenn sich der Staub sich zu Schichten anhäuft, die bei normalen Leuten asthmatische Reaktionen hervorrufen würden! Überhaupt sind amerikanische Häuser anscheinend deutlich unaufgeräumter, als ich das von deutschen Wohnungen gewöhnt bin. Allerdings schiebe ich diese Erkenntnis auch ein wenig auf die Pedanz, die mir diesbezüglich über die Jahre antrainiert wurde.

Er stellte mir außerdem seine Frau vor, die leider schwerhörig war und deshalb einen etwas unbeteiligten Eindruck machte. Da sie zu allem Überfluss auch noch gerade geschlafen hatte, hat sie nicht mal geschnallt, dass ich mit ausgestreckter Hand vor ihr stand, um sie zu begrüßen. Allerdings nicht mit Absicht, wie mir Eugene im Nachhinein versicherte.

Wie auch immer! Es wurde Zeit für mich zu gehen, denn auf mich wartete ein leeres Haus, oder besser gesagt eine ruhige Couch. Aber bevor ich diese in Anspruch nahm, machte ich mir noch etwas, was eigentlich weltberühmt ist, eine „Campbell’s Tomato Soup“. Wer jetzt nicht weis, womit er das in Verbindung bringen soll, dem wird sicherlich das Etikett der Dose bekannt vorkommen. Und ich muss sagen, ein durchaus leckeres Gebräu!

Am Abend gönnte ich mir dann noch einen schönen movie und schob mir das erste Junk food zwischen die Kiemen – eine Peperoni Pizza mit extra viel Käse und frischen Oliven obendrauf. Allerdings schien mein deutscher Magen nicht an die Chemische Zusammensetzung amerikanischer Fertiggerichte gewöhnt zu sein. Anders kann ich mir nämlich nicht vorstellen, warum ich mir anschließend dermaßen den Magen verdorben habe, dass ich die zweite Hälfte des Filmes nicht mehr mitbekommen habe.

Wie der Abend für mich weiter ging, kann sich jeder selber ausmalen. Ich hatte, da ich die ganze Woche gearbeitet habe, immer noch das Jetlag und dann auch noch eine saftige Magenverstimmung am Bein. Alleluja, das ging ja gut los!

Cya tomorrow, hopefully!

October 3, 2009

My Saturday

Endlich Wochenende! Aber Ausschlafen war trotzdem nicht!

Doug wollte mich zum Frühstück einladen. Dazu sagt doch keiner „nein“! Er geht eigentlich jeden Samstag mit Cindy Frühstück essen. Allerdings ist sie heute Früh damit beschäftigt, die Hauskatzen – by the way Perserkatzen – erst zum Frisör und dann zur Maniküre (ja ihr habt richtig gelesen!) zu bringen. Allerdings macht das letztere wider Erwarten ernsthaft Sinn! Den Tieren werden nämlich die Nägel geschnitten, was dazu führt, dass Klamotten, Möbel und nicht zuletzt die Haut der Besitzer ganz bleiben (allerdings muss man zu der Haarschleife nichts mehr sagen!).

Also sind wir heute nur zu zweit und ich wurde auch gleich den Kellnerinnen, oder wie Doug sie nennt: ‚the nice young ladies’ vorgestellt. Diese setzten sich, gleich nachdem wir das Diner betreten hatten und einen Platz ausgewählt hatten, zu uns und hielten mit uns einen Plausch. Es schien eher, als würden sie uns nebenbei bedienen und eigentlich mit uns Frühstück essen.

So gab es für mich das erste Mal richtiges amerikanisches Frühstück – Pancakes mit Ahornsirup. Und zwar die echten,1cm dicken und nicht diese dünnen französischen Crepes! Schön mit ‚Whipped Butter’ oben drauf! I love it!

Anschließend ging es, nach einem Stopp am Post Office, erst mal in den Baumarkt (weil Doug einen Deckel für irgendeine Plastikbox brauchte). Und wie alles hier, ist auch dieser ein bisschen größer als in „good old Germany“. Und wenn man erst mal drin ist, weis man auch warum! Hier gibt es eine unglaubliche Auswahl an nützlichen und auch völlig unnützen Tools. Es erinnerte mich irgendwie gleich an die Serie „Home Improvement“.

Und es kommt noch viel besser: Am Eingang kann man sein(e) Kind(er) abgeben und diese werden dann über die Dauer des Einkaufs von einem Mitarbeiter betreut. Womit? Natürlich mit Heimwerkeln – bzw. eher das Zusammennageln eines Miniatur Holzhauses. Und so haben am Ende Vati und Sohn in Ruhe ein neues Spielzeug erstanden und das Unternehmen gleich den Kunden bzw. Heimwerker von Morgen erzogen. Eine „win – win Situation“ würde ich glatt sagen.

Das ist vor allem innovativ unter dem Aspekt, dass es nix schlimmeres gibt als ein quengelndes Kind an einem sonnigen Samstagnachmittag in einem Deutschen Baumarkt ertragen zu müssen. Und das nur weil sich Mutti und Vati mal wieder nicht über die passende Deckenfarbe einig sind.

Nachdem wir – leider erfolglos – den Baumarkt verlassen hatten, machten wir uns auf zu unserem eigentlichen Ziel. Der Mall of Amerika. Dort mussten wir uns erst einmal auf die Suche nach einem Parkplatz machen. Es gibt zwar gefühlte eine Million davon, allerdings gibt es hier auch ebenso viele Autos. Aber auch dieses Problem war in den Griff zu bekommen und wenige Schritte später standen wir direkt in der größten Mall Amerikas.

Über 500 Geschäfte auf vier Etagen und in jeder der vier Ecken war darüber hinaus auch noch eine der vier großen Ketten – Macy’s, Bloomingdales, Sears und Nordstrom – alle vergleichbar mit Breuninger oder Karstadt. Aber der absolute Hammer kommt erst noch! Denn in der Mitte dieses Monstrums befindet sich zu allem Überfluss auch noch ein gesamter überdachter Freizeitpark. Achter- und Wasserbahnen, Karussells und unzählige Fressbuden wechselten sich ab. Und das war immer noch nicht alles! Denn außerdem gibt es noch ein riesiges Aquarium und eine Saisonale Ausstellung, sowie – man glaubt es kaum – unzählige Restaurants. Einfach unglaublich! So weit ich weis nennt man das auch nicht mehr Einkaufszentrum, weil es einfach dem Namen einfach nicht mehr gerecht wird, sondern UEC – Urban Entertainment Center.

Fotos der Mall

Ging man dann einmal in die Geschäfte hinein, sah man schnell, dass Dank des schwachen Dollars einige Marken sehr günstig waren. Allerdings aber auch manche nicht, vor allem eben logischer Weise die europäischen nicht. So kam es, dass ich mich im Nike Store gleich in ein paar Jogging Handschuhe (mit Schlüsselfach – Amis sind die Meister der sinnvollen Erfindungen ^^) verliebte, die mich unglaubliche 10€ gekostet haben.

Und wenn man unbedingt möchte, geht die Kundenfreundlichkeit in diesem Land sogar so weit, dass man noch einen halbstündigen Smalltalk kostenlos dazu bekommt. Für Rentner wie Doug ein Paradies! Ich für meinen Teil bin schon damit zu frieden, dass ich hier nicht, wie manchmal in Deutschland, angeguckt werde als wäre es zuviel verlangt, dass ich jetzt bezahlen möchte oder sogar auch noch Beratung zu einem Produkt will.

Allerdings nutzte auch ich an diesem Tag diese Chance auf einen kleinen Plausch, um ein wenig das englische Sprechen und amerikanische Verständnis zu trainieren. Die Produktberatung war natürlich vom Verkäufer in diese kleine Konversation geschickt mit integriert.

Es gibt Dinge, und da gehört das dazu, da wissen die Amis schon genau, was sie tun! Denn was Konsum angeht, ist dieses Land ja unbestrittener Meister. Es gibt allerdings Dinge, da muss man sie einfach machen lassen und sollte einfach keine Fragen stellen. So sah ich zum Beispiel einen Puppenfrisör in der Mall, zu dem mir einfach nichts mehr einfiel!

Aus meiner Sicht die Perversion des überflüssigen Luxusses und der Beweis dafür, dass Amis manchmal die Sensibilität für das Hinterfragen des Sinns einer Investition völlig abhanden gekommen ist! Allerdings meinte Doug zu meinen Überlegungen nur: „When it makes my daughter feeling happy, why not?“ Und allein durch die Tatsache, dass ich darauf keine Antwort hatte, war ich mit der Existenz dieses Geschäftes wieder im Reinen.

Man sieht in dieser Mall natürlich auch völlig konventionelle Läden und Kaffees. Allerdings sind diese ein wenig durchdachter aufgebaut, als ich das von Europa gewöhnt bin. So gibt es hier zum Beispiel ein Kaffee, das nur auf Familien mit kleinen Kindern ausgerichtet ist. Der Vorteil ist offensichtlich: am Eingang gibt’s einen Parkplatz für Kinderwagen, es gibt Beschäftigungsmöglichkeiten für die Kleinen und keiner beschwert sich über schreiende Babys, denn es sind ja dort alle mit einem solchen gesegnet.

Ein zweites Beispiel, was mir diesbezüglich aufgefallen ist, war ein Schuhladen. Dieser stellte, wie in wahrscheinlich allen Teilen der Erde, zu einem Viertel Männer- und zu drei Vierteln Frauenschuhe aus. Doch war tief in der „Männerzone“ ein Fernseher mit ein paar Stühlen aufgestellt, umringt von Schuhen, um diesen Ort des männlichen Seelenfriedens vor feindlichen, weiblichen Blicken zu schützen.

Und so kam es, dass dieser Laden an diesem Samstag so gut besucht war, wie wahrscheinlich nie zuvor. Denn heute spielten die Golden Gophers, das College Football Team der University of Minnesota, das erste Mal in ihrem brandneuen Stadium. Und das ist natürlich ein Muss (selbst College Football ist hier durchaus populär) für jeden Football Fan – noch dazu, wenn es gegen den Lokalfeind Wisconsin an die 50 Yard Linie geht – und die sind hier doch recht häufig … Leider sah es wohl so aus, als würden die Gophers an diesem Tag wohl verlieren, was sie final auch getan haben …

Nach zwei Stunden, die wir in der Mall zu gebracht hatten, indem wir nur eine Runde auf einer der drei Etagen gelaufen waren, mussten wir uns auch schon wieder auf den Heimweg machen. Denn heute steht ein großes Dinner an! Denn Tochter + Familie (sprich: Schwiegersohn, Enkel mit Freundin und Enkelin mit Freund) kommt heute zu besuch, um Cindy zu verabschieden, die die nächsten Monate in Florida zubringen wird.

Da ich aber noch vorher eine Joggingrunde einlegen, sowie mit meiner Freundin und meinen Eltern telefonieren wollte, bin ich schon wieder etwas in Zeitnot geraten. Und tatsächlich konnte ich den Besuch bereits hören, als ich noch mitten im Gespräch war.

Die Familie ist wie man sich eine klassische Amerikanische Familie so vorstellt. Der Vater kräftig gebaut, die Mutter ein paar flotte Sprüche auf Lager und Tochter und Sohn wissen auch auf diese angemessen zu reagieren. Aber unterm Strich alle sehr nett und total zugänglich, also viel versprechend für einen netten Abend. Noch dazu, weil ich mit einem Prospekt über Luthers wirken in meiner Heimatstadt Erfurt völlig ins Schwarze getroffen hatte. Denn sowohl Cindy, die Anhängerin der ‚Lutheran Church’ ist, als auch der Enkel, der gerade europäische Geschichte als Hauptfach gewählt hatte, konnten mit dieser Broschüre etwas anfangen.

Als Digestiv gab es wahlweise Scotch oder Whisky für die „großen“ und Saft für die „kleinen“. Und dank lächerlicher Alkoholgesetzte zählte selbst der 20 Jährige Freund der Enkelin zu den Letzteren. Alt genug um in den Krieg zu ziehen, aber zu jung um ein Glas Bier zu bestellen. Hier gibt es ein Wort dafür: ‚ridiculous’. Natürlich wurden wieder alle Getränke fleißig mit Eis verdünnt, selbst beim Weiswein zeigten sie keine Skrupel! Nur der Rotwein wurde diesbezüglich besonders behandelt. Allerdings befand sich dieser ebenfalls im Kühlschrank und nennt mich Pedant, aber das ist keineswegs ein perfekter Ort für diese Sorte reifen Traubenmosts.

Die Steaks brutzelten bereits auf dem Grill vor sich hin. Wobei hier eher Gasgrills bevorzugt werden, die durch eine Haube das „Gargut“ auf entsprechende Temperaturen bringen. Dabei ist die Anzahl der Flammen anscheinend ein entscheidendes Kriterium. Zumindest war das die Eigenschaft, die Doug heraus stellte, um die Qualität des Grills zu verdeutlichen. Neben diesem Thema hatten wir – das heißt Doug, sein Schwiegersohn, sein „Schwiegerenkel“ und ich – die typischen Männerthemen, die man hier anscheinend mit einem deutschen bespricht: deutsche Autos, ‚speedlimit on the Autobahn’ und Mindestalter für Alkoholkonsum.

Als die „New York Strip Steaks“ endlich das gewünschte Garniveau erreicht hatten, ging es zu Tisch. Als Beilagen gab es ‚beans and sweet potatoes’. Allerdings gab es heute alles auf Papptellern. Aber nur, weil es für Cindy und Doug morgen früh nach Florida geht und ein Abwasch von 9 Personen dem Zeitplan ein wenig im Weg stehen würde. Und es hat dem Geschmack des Steaks darüber hinaus auch keinen Abbruch getan. Denn tatsächlich waren das quasi die besten Steaks, die ich je gegessen habe. So unglaublich saftig und zart, dass ich vor lauter Genuss fast vergessen hab, dass da noch ein paar Amis um mich rum saßen, die sich gern mit mir unterhalten würden…

So stellte sich heraus, dass die ganze Familie recht lustig war, da wir eigentlich den ganzen Abend viel zu lachen hatten. Nicht zuletzt als der Nachtisch serviert wurde – ‚Apple Pie with whipped cream’. Denn alle haben die Sahne aus ihrem Mund raus quellen lassen, und sich köstlich darüber amüsiert. Warum? Nun, diese Sauerei hat der Jüngste in seiner frühen Kindheit regelmäßig veranstaltet, wenn er Sahne in die Finger bekam und es sieht in der Tat witzig aus! Als ich an der Reihe war und die Sprühflasche in der Hand hielt, kam ich mir schon etwas deplaziert vor, mit Essen am Dinnertisch einer Amerikanischen Familie zu spielen. Aber auf Bitten aller, habe ich mich dann doch erweichen lassen, an dem Spektakel Teil zu nehmen.

Nebenbei sei erwähnt, dass es sich bei der Sahne um fettfreie Sahne handelte, die hier, aus mir unerklärlichen Gründen, recht beliebt ist. Hat man sie allerdings solo im Mund, schmeckt das Zeug leider nach einem Hauch von aufgeschäumtem Nix. Und leider wird in der Kombination mit Kuchen auch noch der Geschmack desselbigen von diesem Nix überlagert anstatt in irgendeiner Form aufgewertet.

Unterm Strich ist das ein Paradebeispiel für das Thema um das es an diesem Abend am meisten ging: gesundes Essen. Alle wussten bescheid und konnten die Grundregeln gesunden Essens aus dem FF herbeten, doch dann wurde die Sprühsahne rum gereicht, um sie „alle zu machen“. Oder mir wurde erklärt, dass die Familie 3 Tiefkühltruhen besaß, damit sich alle am Abend aus einer großen Auswahl an Fast Food ihr persönliches Lieblingsessen aussuchen konnten. Auch unter dem Umweltaspekt eine Fragwürdige Angewohnheit.

Während der Diskussion erwähnte die Tochter, wie wichtig es sei viel Wasser zu trinken und welch gesunden Einfluss dass auf den Körper hätte. Und da kam für mich der Satz des Abends! Cindy meinte dazu nämlich nur pfurztrocken: ‚I drink a lot of water, too…with my Scotch!’. Und genau den gab es für mich auch noch mal in einer ruhigen Minute vor dem Fernseher, nachdem wir den gesamten Besuch (und ich dazu Cindy und Doug) verabschiedet hatten. Was für ein Tag, I am done!

Cya tomorrow.

October 2, 2009

My Friday

Nach dem Flug nicht einen Tag ausgeruht und schon wieder ging es zeitig raus! Heute sollte es endlich mal direkt auf Arbeit gehen – zum ersten und zum letzten Mal in dieser Woche. Deshalb habe ich mir nur fix eine Schüssel Corn Pops einverleibt (die sehen hier irgendwie völlig anders aus, als zu Hause – irgendwie so unförmig) und danach ging es ab zum Bus. An diesem Tag war ich natürlich – im Gegensatz zu gestern – auf das schlechte Wetter vorbereitet. Deshalb regnete es heute auch nicht annähernd so stark, wie am Tag zuvor.

Das Problem ist, dass ich immer noch nicht ohne Hilfe durch die Eingangstür des Forschungsgebäudes komme. Denn die dazu erforderliche U-Card besaß ich, trotz Besuch des U-Card Offices, leider komischer Weise immer noch nicht. Und zu allem Überfluss waren an diesem Tag weder Peter noch Shane so zeitig anwesend, dass sie mir den Zugang hätten ermöglichen können (sie sind über ein Telefon an der Rezeption erreichbar).

Jetzt könnte man auf die Idee kommen, dass ich einfach mit jemand anderem in die Labore hätte gelangen können. Doch dies ist dank strenger Sicherheitsbestimmungen und der wachsamen Augen der Dame am Eingang quasi ein Ding der Unmöglichkeit.

Da ich manchmal ein gnadenloser Optimist bin, versuchte ich trotzdem noch einmal im Labor anzurufen und zu meiner Überraschung meldete sich am anderen Ende plötzlich eine weibliche Stimme. Mir schießt die Frage durch den Kopf, wie eine Frau in ein Labor wie dieses kommt … ob sie sich vielleicht verlaufen hat (bisher hab ich hier nur ergraute Professoren und junge Kerle mit Brillen – angehende Wissenschaftler eben – rum rennen sehen)? Da ich es mir aber nicht gleich am Anfang mit allen verscherzen wollte, entschied ich mich intelligenter Weise dagegen, diese dumme Bemerkung zu verbalisieren. Nicht zuletzt weil ich wahrscheinlich auch gar nicht in der Lage gewesen wäre, es auf englisch nicht so zu formulieren, dass es blöd klingt.

Etwas überrascht fragte ich daher bloß, ob sie Peter meinem Professor, kenne und ob sie mir auch die Tür öffnen könnte. Beides bejahte sie prompt und kurze Zeit später steht Heather vor mir. Sie erklärte mir, dass sie für Peter arbeitet und jeden Montag und Donnerstag da ist. Sie macht etwas, was ich „Malen nach Zahlen“ nennen würde. Das soll heißen, wenn Shane einen Stack – Sprich: eine Reihe von Bildern eines biologischen Objektes – Schicht für Schicht mit dem Mikroskop fotografiert hat, dann bearbeitet sie jedes dieser Bilder und markiert dabei mit einem virtuellen Stift wichtige Regionen der Probe. Dadurch können diese Regionen dann in einem 3D Modell dargestellt werden. Eine Arbeit, für die man auf jeden Fall ein sonniges Gemüt braucht. Schließlich sprechen wir hier von einem Stapel aus ca. 200 – 300 Bildern und die Form ändert sich nicht wirklich von Bild zu Bild! Also könnte man diese Aufgabe auch unterm Strich vorsichtig als langweilig bezeichnen.

Am Mittag musste ich noch mal fix zum anderen Ende des Campusses, zum Coffman Union Center. Dort befand sich nämlich das Technical Support Center und nur die konnten mir mein oder meine X500 (ich weis leider immer noch nicht was das ist, nur, dass ich es für alles Weiter brauche) geben. Angekommen durfte ich natürlich erst mal wieder meinen Namen angeben und eine Unterschrift leisten – hoffentlich das letzte Mal! Dann gaben sie mir mein X500: pschacht.

Wow! Das ist so ultra geheim, das hätte man nie per Mail schicken können! Etwas enttäuscht fragte ich, ob er irgendetwas frei schalten musste, was meine Präsens hier endschulden würde.

Aber gar nix. Ich bin mal wieder sinnlos von meiner Arbeit abgehalten worden…

Aber wenigstens habe ich jetzt etwas, was mir Zugang zu meinem E Mail Account ermöglicht … und das ist doch ein großer Schritt in die richtige Richtung! Und man bekommt dafür nicht nur einen langweiligen Mailaccount, wie das zum Beispiel in Ilmenau der Fall war. Nein, man bekommt einen ‚all in one account’ mit Google Scheduler, News Frame und Class Manager (was auch immer das schon wieder ist…). Allerdings musste ich mir dann erst mal von Heather zeigen lassen, welches bunte Bildchen ich drücken muss, um an meine Mails zu kommen. Und schon nach einer Stunde üben war ich in der Lage, meine Mails völlig autonom abzurufen.

Am Nachmittag musste ich noch mal zu Sonya, um mal wieder als Dienstbote zu fungieren und einige Formulare abzugeben. Aber dieses Mal, aber auch nur dieses eine Mal, war es tatsächlich sinnvoll, dass ich persönlich aufgeschlagen bin! Denn als ich da raus spaziert bin, musste ich mein Geld für die ‚health insurance’ nicht mehr jeden Monat persönlich da hin bringen, wie die Damen von dem Amt das von mir erwartet hätten. Nein, das HR Büro ist tatsächlich in der Lage, das Geld zu überweisen! Das ist auch das erste Mal, dass ich das Wort Überweisung hier höre. Denn es ist hier gängiger als in Deutschland, ne Menge Bargeld mit sich rum zu schleppen (so vielleicht an die 1000 Lappen) und alles damit zu bezahlen, oder Schecks auszustellen.

Allerdings funktionierte das mit der Überweisung nur, wenn ich dem ‚Health Insurance Office’ eine gewisse „EFS“ Nummer mitteilte. Und mit mitteilen meinten die mal wieder persönlich vorbei schauen. Also machte ich mich zum zweiten Mal auf den Weg dort hin.

Als ich ihnen dort die Nummer feierlich übergeben wollte drückte die Dame am Empfang mir leider nur ein Formular in die Hand, auf dem ich meine persönlichen Daten abermals angeben musste. Ich erkundigte mich, wo denn der Zettel von gestern sei, auf dem ich das schon mal eingetragen habe und ob ich denn dann auch nicht im System vermerkt sei. Allerdings wusste die Frau nicht mal was ich meinte, als ich dann beim 5. Synonym für „System“ endlich auf „Kundendatenbank“ gekommen bin. Also ließ ich mal wieder die Kulimine rauchen … ich sag nur: „das blaue Formular“ (Für die, die es nicht kennen: es gibt einen Asterix und Obelix Film erinnert, in dem die Beiden den Gang durch ein römisches Beamten Gebäude überleben müssen – nun, mir geht’s gerade irgendwie genauso).

Beim Verlassen des Versicherungsgebäudes/Klinik viel mein Blick auf eine Werbetafel für etwas, was sich Gopherstore nannte. Das ist ein Laden, in dem es nur Klamotten mit in den Farben und der Beschriftung der University of Minnesota gab. Und wir reden hier nicht von einem kleinen Ständchen mit ein paar Hoodies (hooded sweatshirt – hat sicher jeder schon mal gesehen … ansonsten: http://lmgtfy.com/?q=hoodie). Nein es handelt sich dabei eher um einen Laden, der von Unterwäsche über T-Shirts bis zu Jacken und von Sportklamotten bis Sakkos alles anbietet, was man sie um den Leib hängen kann! Und das Angebot beschränkte sich nicht nur auf Anziehsachen. Auch Trinkflaschen, Bücher, Blöcke und Anhänger werden hier verhökert. Und diese Dinger sind über den gesamten Campus verteilt.

Nun stellt sich die Frage, wer von oben bis unten mit ‚University of Minnesota’ Klamotten gebrandmarkt sein möchte. Doch wenn man hier auf die Straße schaut ist die Antwort offensichtlich: die Amis! Überall rennen die Leute mit den schlapprigsten grauen Sporthosen rum, Hauptsache es steht das Zeichen der ‚U’ drauf! Selbst die hoodies, die es beim Eröffnen eines Bank-Accounts kostenlos dazu gibt, sind unglaublich begehrt.

Um also als jemand durch zu gehen, der gewillt ist sich fremden Bräuchen und Kulturen anzupassen, entschloss ich mich auch etwas in diesem Laden zu kaufen. Um aber nicht völlig meine europäische Identität zu verraten, sollte es wenigstens etwas nützliches sein, weshalb ich mich für eine Trinkflasche entschied, die ich ohnehin brauchte.

Danach schaute ich noch mal im U - Card Office vorbei. Es stellte sich heraus, dass der Typ schlicht und ergreifend vergessen hat, mir meine Karte zu geben! Ist mir zwar unklar, wie man das vergessen kann, aber passiert!

Anschließend ging es direkt nach Hause. Cindy und Doug saßen schon am Feuer und haben auf mich gewartet. Ich setzte mich dazu und wir haben ein wenig geplaudert. Stunde um Stunde verging und zum Schluss saß ich mit ihnen oben (im oberen, ihren Teil des Hauses) und hab ihnen meine Fotos gezeigt. Von der Familie, meiner Freundin und meinen Freunden. Zum Schluss sagte Doug nur noch: ‚Peter, you are a lucky man!’.

Während der letzten Wochen in Deutschland habe ich so viel Zeit mit Freundin, Familie und Freunden verbracht, dass ich es teilweise als selbstverständlich angesehen habe. Es war sogar manchmal auch anstrengend, alle Wünsche und Vorstellungen unter einen Hut zu bekommen. Aber tatsächlich ist es ein unglaubliches Glück, mit jedem Einzelnen Zeit verbringen zu dürfen. Ein Glück, dessen man sich auf jeden Fall bewusst sein muss!

Es sind Erkenntnisse wie diese, die quasi auf der Hand liegen, wenn man mal das ganze von Außen betrachtet. Nun in diesem Fall ist außen eben ein Stückchen weiter weg. Genauer gesagt ca. 5000 Meilen weiter weg. Aber gerade diese Distanz ist das, was den Trip so aufregend macht! Und die Tatsache, dass man gerade am Anfang (und ich denke auch generell) oft auf sich allein gestellt ist. Das bedeutet, man hat auch mal Zeit, sich selbst zu reflektieren und ein wenig über Dinge nachzudenken, für die man sonst leider viel zu wenig Zeit hat…

Doch bevor ich hier zu sehr ausschweife und am Ende noch langweile – was ich wahrscheinlich ohnehin schon tue – möchte ich mich für heute verabschieden. Denn die Woche war hart und ich brauche eine wenig Schlaf. Nicht zuletzt, weil ich mich immer noch nicht an den Zeitunterschied gewöhnt habe.

Aber bevor ich in mein Bettchen entlassen wurde, gab es noch eine Erklärung von Cindy (die sich die ganze nächste jeden Tag Woche wiederholen wird), welche Nummern in einem Notfall anzurufen sind. Denn Cindy fliegt ab nächste Woche Samstag nach Florida, in ‚das andere Haus’ auf Marco Island und kommt erst zu Weihnachten wieder (sie mag die Kälte nicht). Doug fliegt mit, kommt aber bereits eine Woche später wieder – er mag die Hitze nicht (weshalb es mich wundert, warum beide dort ein Haus gekauft haben – die spinnen eben, die Amis).

Da Demeji an diesem Wochenende nun auch noch zu seiner Frau nach New York fliegt, bin ich am Sonntag allein in dem Haus, was mich wieder zurück zu Cindys Erklärungen führt. Sie ist darüber dermaßen aufgeregt, dass sie mir bereits einen Zettel mit Nummern der Nachbarn geschrieben hat, die ich im Falle von Langer Weile terrorisieren kann. Also unterm Strich zu gleichen Anteilen völlig übertrieben aber auch nett, dass sich jemand um einen kümmert…gerade zu Beginn in einem anderen Land! Aber jetzt erst mal Chilln…I need a rest!

Cya tomorrow!

October 1, 2009

My Thursday

Der erste echte Arbeitstag…natürlich nicht wirklich! Wie sich schon angedeutet hat, gibt es ca. 100 Organisationsdinge zu erledigen. Endlich kann ich z.B. zum Payroll office gehen und meinen Gehaltsantrag stellen. Den Weg dahin kenn ich ja bereits. Aber bevor es wirklich los geht gibt’s erst mal wieder Frühstück. Um meine Figur besorgt, hat Cindy netterweise ‚Fat Free Milk’ besorgt, die hier sehr gefragt ist. Ich finde allerdings, dass man sich damit auch genauso gut seine Cornflakes mit Mineralwasser machen kann. Das ist wahrscheinlich auch noch gesünder, da es nicht so viele chemische Prozesse durchlaufen hat.

Als ich mich auf den Weg zum Payroll Office machte, fiel mir ein Nachteil unseres Appartements auf die Füße. Durch die komfortable Kellernähe kann man nämlich durch die Fenster nicht gut den momentanen Wetterzustand ausmachen. So kam es, dass ich, auf einen sonnigen Tag vorbereitet, direkt nach draußen in eine zweite Dusche rannte. Leider war ich auch mal wieder „überpünktlich“, das heißt ich hatte auch keine Zeit mehr zurück zu gehen, um mich den veränderten Wetterbedingungen anzupassen. Also lautete die Divise: zum Bus rennen. leider war ich damit wieder so schnell, dass ich noch ca. 5 Minuten im Regen rum stand.

Im Payroll Office ging an diesem Tag wahrscheinlich das erste Mal alles glatt. Ich musste nur wieder Name, Adresse und Unterschrift da lassen, schon war ich drin. Nur habe ich dort noch einen Zettel bekommen, den ich wiederum woanders abgeben musste. Ohne, dass ich da irgendwas ausfüllen muss. Nicht, dass man das via Fax hätte senden können. Nein, da wird lieber irgend so ein Ausländer kreuz und quer über den Campus gescheucht. Und ich dachte, der Bürokratie an den deutschen Grenzen für eine Weile entkommen zu sein.

Genervt ignorierte ich die Dringlichkeit der Überbringung des Zettels und gehe zu meinem Arbeitsplatz. Ich wollte endlich mal ein bisschen das tun, wofür ich eigentlich hier bin: am Mikroskop arbeiten. Das Gerät arbeitet mit einer dünnen Laserschicht um durchsichtige, fluoreszierende biologische Proben zu illuminieren. Das aus der Fluoreszenz resultierende Licht ergibt ein Bild und wird durch ein Mikroskop betrachtet. Die Laserschicht wird durch die Probe bewegt und Schicht für Schicht wird fotografiert. Daraus resultiert am Ende ein 3D Bild der gescannten Probe.

Meine Aufgabe ist es die Laserschicht dünner zu bekommen, bessere Kameras und andere Laser auszuwählen und zu installieren, einen Anti-Vibrations-Tisch unter das System zu bauen und eine schnellere Scann-Prozedur zu implementieren…

Damit bin ich aber am heutigen Tag ehrlich gesagt keinen Schritt vorangekommen. Denn erst mal heißt es, sich in die Thematik einzuarbeiten. Außerdem habe ich meinem Professor mit einem Ohr zugehört, wie der den lieben langen Tag Apple verfluchte. Denn das Ergebnis nach zwei Stunden an der Hotline war, dass es einfacher und schneller (und damit sicher auch billiger) ist, einfach neue Drucker zu kaufen, anstatt sich weiter mit dem Problem zu behängen und es lösen zu wollen. Hier hat man einen Ausdruck dafür: ‚just ridiculous’!

Zum Mittag gibt es bei mir jetzt jeden Tag ein leckeres Sandwich. Mit Salat, Käse, Schinken, Senf und Ketchup. Der Absolute Wahnsinn war, als ich wahllos irgendwelche ‚Sandwich Bags’ gekauft habe und die Sandwiches wie angegossen in den Beutel gepasst haben. Denn dank Einheitsformat der Brote (Ja, fast jedes Brot hier ist Weißbrot, lässt sich auf 1/4 der ursprünglichen Größe zusammen drücken und hat das gleiche Kastenformat) ist es möglich Beutel anzufertigen, der genau die Größe des Brotes hat. Und wieder einmal bin ich von diesem Land begeistert! Es sind doch die kleinen Dinge im Leben ;)

Am Nachmittag ging ich zum Health Insurance Office, am Campus auch Boyten Center genannt. Da dies gleichzeitig eine Klinik ist, hängen am Eingang Sanitizer (ich weis nicht mal das deutsche Wort dafür) und ein Spender für Mundschutz Masken aus. Allerdings gibt einem auch irgendwie sofort das Gefühl, als könne man jeden kleinen Bazillus auf der Türklinke einzeln erkennen. Bei der Versicherung direkt musste ich erst mal wieder die üblichen Daten hinterlassen. Danach informierten sie mich darüber, dass sie die ersten zwei Raten im Voraus wollten. By the way $376 … nachdem ich die letzten zwei Tage ein deposit von $900 für das Appartement nach Hause geschleppt habe keine Kleinigkeit! Aber langsam hatte ich mich daran gewöhnt, lächerliche Summen in meinem Portomoneie mit mir rum zu tragen. Also versicherte ich, die erwünschte Summe morgen vorbei zu bringen.

Danach wollte ich eigentlich nach Hause gehen, doch machte mir das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Es regnete dermaßen, dass ich mit meiner mangelnden Ausstattung gegen das Unwetter, nicht einmal bis zur Bushaltestelle gekommen wäre. Deshalb chillte ich mich in die TV Lobby der Uni. Ein großer Saal, ausgestattet mit Sesseln, die alle auf einen großen Fernseher gerichtet sind. Es kam gerade Baseball, Twins (Minneapolis) gegen die Tigers (Detroit). Eines der entscheidenden Topspiele der Woche. Denn außerdem ist dieses Wochenende das Football Wochenende des Jahres. Aber dazu später mehr!

Erst einmal wollte ich mir noch meine U-Card und meinen Mitarbeiter Batch im Coffman Union Center, in dem sich auch die TV Lobby befand, abholen. Doch nachdem ich dort mal wieder meine persönlichen Daten hinterließ (ich weiß mittlerweile sogar nach 3 Tagen meine Telefonnummer auswendig) und ein Foto schießen ließ, bekam ich komischer weise nur meinem Mitarbeiter Batch. Ich war allerdings zu fertig und zu desinteressiert, um mir weiter darüber einen Kopf zu machen.

Ich wollte eigentlich nur noch nach Hause. Gesagt getan. Zu Hause angekommen tat ich etwas, an das ich mich gewöhnen könnte. Ich hab amerikanisches TV geschaut und mir dabei eine eiskalte Cola ‚on the rocks’ gegönnt! Wobei die zwei lächerlichen Buchstaben T und V sicherlich dem Ungetüm, was da unten bei uns im Appartement steht, nicht im Geringsten gerecht werden. Es ist eine Art Video-Beamer, der mit drei Projektoren (für jede Farbe einen) auf eine 2m x 1,5m Leinwand strahlt. Der Projektor ist dabei im Tisch versenkt. Das Programm ist aber der eigentliche Wahnsinn. Den ganzen Tag kommt eine Serie nach der Anderen und parallel laufen auf anderen Kanälen Filme. Die Sportübertragungen sind ebenfalls unglaublich vielseitig. Es gibt allein 5 Kanäle, die den ganzen Tag nur Football übertragen. Oder auf einem Anderen geht es nur ums Essen. Allerdings – als wäre es zu schön um wahr zu sein – hat die ganze Sache auch einen Haken. Denn man hat eher das Gefühl als unterbreche die Webung nicht den Film sondern der Film die Werbung. Ungefähr alle 5 bis 10 Minuten schiebt sich so ein kleiner Bastard von 30 Sekunden bis 1 Minute dazwischen. An diesem Abend hatte ich aber dafür die Auswahl aus zwei Filme und 3 Serien, die ich alle samt mag.

Am späteren Abend kommen dann aber auch ziemlich verrückte Sachen! Wie z.B. Jackass, was sicher die Meisten kennen. Für die, sich diesem Elend bisher entziehen konnten: Es geht um ein paar Halbstarke, die alles ausprobieren was auch nur im Entferntesten danach aussieht, dass es Schmerzen verursacht. Sei es einen Abhang in einem Dixi Klo runter zu rollen oder sich mit einem Teaser zu beschießen. Alles ist erlaubt…Doch wer glaubt, dass die Dummheit hier ein Ende hat irrt gewaltig!

Es gibt zum Beispiel eine Serie, bei der ein junger Kerl meines Alters quer durch Amerika reist, um an allen Wettessen und ‚All you can eat competitions’ des Landes teilzunehmen. Dieser schreiende Verdauungsschlauch verputzt ein 2 Kg Steak samt Kartoffelbeilage und Salat in einer guten Halben Stunde oder vertilgt mal eben zum Mittag 12 Supersize Tacos! Ich möchte wissen, wie der an seine Krankenversicherung gekommen ist bzw. wer die bezahlt?!

Einen weiteren Schritt abwärts auf der Niveauleiter verkörpert die Sendung „Disaster House“. Eigentlich soll bloß das Haus einer Familie renoviert werden, wie das in einigen Sendungen in Deutschland auch üblich ist. Doch geschieht dies hier nicht, ohne vorher mit einem Auto quer durch, oder mit einem Monster Truck über das Haus zu Brettern. Das Beste, was ich allerdings bisher von dieser Sendung gesehen habe ist, wie ein Klavier 75 ft in ein Dach gestürzt ist, damit man anschließend das Dach reparieren kann. Die Frage nach dem Klavier stellt man sicher lieber erst gar nicht.

Ich könnte diese Liste noch bis ins unendliche ausbauen, denn es gibt hier sagenhaft viele Sendungen, die bei diesem Niveaulimbo durchaus mithalten könnten. Allerdings bin ich müde und es ist spät! Deshalb werden wir das auf später vertagen müssen…

Cya tomorrow!

September 30, 2009

My Wednesday

Der Tag begann nicht ganz so stressig, wie der Gestrige. Zwar galt es auch einen Bus zu bekommen, doch liefen die Handgriffe nun schon etwas routinierter ab. Zumindest bis ich an der Bushaltestelle stand. Denn der Bus kam zwar pünktlich, war allerdings in die andere Richtung unterwegs. Sprich: ich habe den Busplan falsch gelesen! Nicht mal Demeji konnte mich auf diesen Fehler hinweisen, da er sich an diesem Tag später aufbrach. Während ich mich auf den 30 minütigen Weg zur Straßenbahn Haltestelle machte, versuchte ich mir einzureden, dass es am Jetlag lag und nicht an meiner grundlegenden Unfähigkeit Fahrpläne zu lesen.

Besonders ärgerlich war die Situation, weil ich einen Termin beim ISSS Office hatte, dem Office für ausländische Studenten. Dort angekommen, so dachte ich, werde ich mit allen nötigen Informationen versorgt, die ich bräuchte, um mich in den ‚Twin Cities’ – Minneapolis und St. Paul liegen so nah beieinander – zu recht zu finden. Das stimmte zwar, doch führten die Infos eher dazu, dass ich die nächsten Tage auf unzähligen Offices, Centres und Services verbringen dürfte. Überall musste man sich mal zeigen, seine Unterschrift leisten und die vollständige Adresse hinterlassen. Als wäre man ein ausgesetzter Hund, der überall seine Duftmarken hinterlassen muss…

Da ich nicht alles verstanden hatte, was mir die werte Frau dort zu vermitteln versuchte, habe ich mich erst einmal auf den Weg zu Orten gemacht, mit denen ich am Meisten anzufangen wusste. So kam es, dass ich als erstes im Payroll Office aufschlug, auch wenn ich bis dahin nicht genau wusste, was Payroll überhaupt ist (und meinem Langscheid hat es bei diesem Wort auch die Sprache verschlagen :( ). Das erste, was ich dort erfahren habe ist, dass momentan noch nicht die richtige Zeit ist ‚to get in payroll’. Erst wenn ich mit meinem Praktikum am 1 Oktober beginne, kann ich beantragen, und jetzt kommt’s: in die Gehaltsliste eingetragen zu werden. Under the line: ich darf morgen wieder antreten!

Allerdings konnte mir die nette Dame die Telefonnummer für mein X500 geben – und bitte fragt mich jetzt nicht, was zum Teufel das schon wieder ist! Ich weis nur, dass ich das brauchte und dass ich eine Nummer wählen musste, um es zu bekommen. Außerdem ist die Nummer, die mir die Dame gegeben hat falsch…

Als nächste Station besuchte ich Sonya Johnson. Auch bei ihr wusste ich den Grund meines Besuches nicht. Ich bin nur dahin aufgebrochen, weil mich mein Professor dort hin geschickt hat. Wo sich ihr Arbeitsplatz befand wusste ich allerdings, zumindest grob.

Also wartete ich auf den Campus Circulator, eine von drei Buslinien, die den gesamten Campus vernetzen und für Studenten – und faculty staffs – kostenlos sind. Dass ich auf der falschen Seite stand merkte ich allerdings erst nach 10 Minuten. Und weitere 10 Minuten später stellte ich auch fest, warum meine Erkenntnis so lange auf sich warten ließ. Der Bus kam nämlich zu allem Überfluss nicht. Also mit den Bussen hab ich es ja echt!

Ich machte mich abermals zu Fuß auf den Weg. Das Problem bestand darin, dass es auf der Karte deutlich näher aussah, als es dann in Wahrheit tatsächlich war. Nach einer halben Stunde fragte ich völlig demotiviert einen Passanten, wo denn zum Teufel sich das verdammte University Park Plaza Building befindet. Zum glück antwortete er: ,It’s right in front of you’. Wenn das so weiter geht, brauch ich mir ja trotz des Essens keine Gedanken um meine Kondition zu machen…

Sonya schien in der Buchhaltung zu arbeiten und macht die gesamte HR (human resource) Organisation für mich. Deshalb kam gleich wieder eine ganze Menge Papierkrieg auf mich zu. Dabei hab ich von englischen Erklärungen über irgendwelches bürokratischen Prozedere heute echt die schnauze voll! Dieser Gedanke muss sich bei mir in einem unglaublich bedepperten Gesichtsausdruck wieder gespiegelt haben! Anders kann ich mir nicht erklären, warum sie mir alles dermaßen Idiotensicher und Schritt für Schritt zu vermitteln versuchte, als würde sie einem Affen das Zählen beibringen wollen. Wie überall durfte ich, dank mangelnder Vernetzung, meinen Namen, Adresse und eine Unterschrift hinterlassen…

Dann machte ich mich auf dem Weg zu Peter, meinem Professor. Ich musste ihn aber an der Rezeption anrufen, um rein zu kommen, denn Zugang bekommt man erst mit der Karte der Universität und bis ich die in den Händen halten konnte, verging noch eine Weile. Ich beklagte mich bei ihm über dieses Bürokratie Desaster und anschließend heulte er sich bei mir über seine Computerprobleme aus. Er hatte ein Systemupdate von Apple installiert, was dazu geführt hat, dass kein Drucker mehr funktionierte und er total im Stress war. Doch so schlimm kann es nicht gewesen sein, so dachte ich zumindest! Denn als ich ihm erklärte, dass ich vor hatte nun zum Social Security Service aufzubrechen, schnippte er hoch und war augenblicklich nicht mehr davon abzubringen, mich dort hin zu fahren.

Gesagt, getan! Doch stand das Auto nicht um die Ecke…Wir mussten mit dem Bus über den halben Campus fahren – wohl bemerkt fahren, nicht laufen! Auf dem Weg erklärt er mir, dass seine Frau auch auf dem Campus arbeitet und sie vorzog, das Auto in ihrer Nähe zu haben (dann weis ich ja, wer die Hosen an hat). Außerdem meinte er, dass der Social Security Service - wo man seine Sozialversicherung beantragen kann - nicht in der besten Gegend sei und er es deshalb vorzog, mich dort ihn zu fahren. Also machten wir uns in seinem 50000$ Lexus auf den Weg dort hin…

Bereits unterwegs merkte ich, dass die Bezeichnung „nicht die beste Gegend“ keines Wegs eine Untertreibung war. Die Häuser verwandelten sich langsam zu Bruchbuden und unbebauten Brachland, die Studenten zu zugedröhnten Junkies, die über Tag auf der Straße rumlungerten und - wie man leider dazu auch sagen muss - das Verhältnis 80% weiß zu 20% kehrte sich um. Als wir in das Gebäude gingen, musste ich kurz darüber reflektieren, ob das Auto noch da steht, wenn wir wieder raus kommen. Naja, lassen wir uns überraschen!

Am Eingang gab es erst mal ne Waffenkontrolle wie am Flughafen. Mein Prof und ich mussten Gürtel, Schuhe und Jacke ausziehen und durch das Röntgengerät laufen lassen. Wir selbst mussten einen Scanner passieren, der uns noch mal nach Waffen durchleuchtet. Im Wartesaal waren wir unter ca. 50 Antragsstellern die einzigen weißen…nein, eine weiße Frau war mit darunter. Allerdings war das nicht gleich auf Anhieb zu erkennen, denn sie war von oben bis unten mit Tattoos zugepflastert.

Also warteten wir mit den ganzen Leuten darauf endlich aufgerufen zu werden. Während dessen versuchte mein Professor nicht ganz so besorgt und genervt auszusehen. Aber es war nicht zu übersehen, dass er sich hier sehr unbehaglich fühlte. In Relation zu dem Aufwand verlief das Gespräch mit dem Sozialbeamten unspektakulär. Ich dürfte mal wieder meine Anschrift und Unterschrift hinterlassen – sinnlos, dass ich da überhaupt hin musste!

Auf dem Rückweg verfranste sich mein Professor dermaßen, dass er erst mal dem Navi die Führung übergab. Überhaupt sind die Amerikaner unglaublich schlechte Autofahrer! Man sollte meinen, dass die Geschwindigkeitsbegrenzung (max. 70 Meilen auf dem Highway) dazu führt, dass alle umsichtiger und vorausschauender fahren können. Allerdings ist eher der umgekehrte Effekt der Fall. Man hat das Gefühl dass alle in ihr Auto steigen und in eine Art Wachkoma verfallen. Im Gegensatz zur Ignoranz gegenüber anderen Autofahrern sind aber Amerikaner unglaublich umsichtig, wenn es darum geht Fußgängern, Fahrradfahrern und Joggern den Vortritt zu gewähren. Aber vielleicht liegt das auch eher an gefürchteten Millionenklagen…

Zurück auf dem Campus angekommen wollte ich mich auf den Weg nach Hause machen. Aber vorher gab mir mein Professor einen Apfel in die Hand. Er meinte, dass seine Frau ihm den für mich mit gegeben hat, damit ich mal die guten Äpfel der Region probieren kann. Und ich muss sagen, dass mich das Ding überzeugt hat, auch wenn ich normalerweise kein großer Apfelesser bin. Da ich allerdings heute noch kein Lunch hatte, war ich mit einem Apfel nicht zu frieden. Deshalb gab es hinterher noch einen Whopper. Irgendwie muss ja auch das Grünzeug wieder kompensiert werden!

Bevor ich nach Hause ging nutzte ich aber noch das schöne Wetter, um eine Runde über den Campus zu laufen. Und wie bereits erwähnt, gefällt mir dieser deutlich besser, als z.B. der in Ilmenau. Die Backstein Fassaden der Häuser sehen einfach nur beeindruckend und schön aus! Allerdings habe ich dann gesehen, wie so ein Haus gebaut wird. Die gesamte Fassade ist nur ‚Fake’ und wir in großen Blöcken an der Front des Hauses angebracht. Dahinter sieht das Haus nicht anders als ein gewöhnlicher Neubau aus. Also machte ich mich etwas desillusioniert auf den Weg nach Hause.

Ich entschied mich dazu, endlich mal hier Joggen zu gehen. Ich dachte das sei eine gute Möglichkeit, die Nachbarschaft zu erkunden. Allerdings verlief ich mich bei diesem Versuch ein wenig. Das führte dazu, dass ich auch an Ecken vorbei kam, an denen ich lieber etwas schneller lief. Außerdem bin ich gut 1,5 Stunden unterwegs gewesen und war am Ende fix und fertig.

Doug fragte mich am Abend noch, ob ich mit ihm ‚grocery shoppen’ gehen möchte. Ich entschied mich mit zu gehen, denn ich brauchte etwas zum Essen für die Woche. Und ich sage euch, einkaufen in einem amerikanischen Supermarkt ist echt ein Erlebnis für sich! Allerdings möchte ich euch das heute im Hinblick auf die Länge des Beitrags nicht mehr erzählen…

Nach dem Einkauf ging es noch ne Runde um den Block. Mir wurden die „wichtigsten Ecken“, wie das Post Office, ein Breakfast Diner, „der“ Frisör und ein guter Doctor vorgestellt. Hier ist es anscheinend so, dass sowohl viele Geschäfte an einem Ort zentralisiert werden, wie in der Mall of Amerika. Allerdings sind auch viele kleine und gute Läden quer über die Stadt verteilt, von denen man einfach wissen muss, wo sie sich in der eigenen Umgebung befinden.

Wir erreichten auch die Gegend, in der Doug aufgewachsen ist – nicht weit von seinem jetzigen Wohnort. Er erzählte einige Geschichten aus seiner Jugend in dieser Region, wie er seine Frau kennen gelernt hat und wo sie mit ihren Kindern wohnten. Ich saß nur da und hörte gespannt zu, beschäftigt damit ihn zu verstehen. Es war sehr interessant zu sehen, wie vertraut er mit dieser Region war, die ich momentan noch als völlig fremd ansah. Ich fragte mich, ob ich in einem halben Jahr auch so eine Verbindung zu dieser Stadt aufgebaut haben würde…

Spät erreichten wir wieder unser Haus und ich war total am Ende. In meinem Kopf ist die Zeitumstellung immer noch nicht völlig vollzogen. Deshalb bin ich an diesem Abend auch nur noch direkt ins Bett gefallen.

Cya tomorrow!